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Die Anfänge der Pandemie in Tansania

Aktualisiert: 14. Jan.

Die offizielle Zahl der bestätigten COVID-19-Fälle in Tansania liegt derzeit bei 300 (Stand: 28. April 2020). Wie auch in anderen Ländern ist die Testkapazität in Tansania jedoch sehr begrenzt, was es schwierig macht, ein verlässliches Bild der tatsächlichen Lage zu erhalten. Das Epizentrum des Ausbruchs ist Dar es Salaam, die wirtschaftliche Hauptstadt Tansanias.



Insgesamt reagierte die Regierung früh mit Massnahmen zur Eindämmung der Infektionen. Schulen und Universitäten wurden geschlossen, für Reisende aus dem Ausland wurde eine Selbstquarantäne vorgeschrieben und Grossveranstaltungen wurden verboten. Kirchen und Moscheen blieben jedoch geöffnet, und die Bevölkerung wurde weiterhin dazu ermutigt, ihre Gebetsstätten zu besuchen.


Tansania nimmt eine besondere Haltung ein, wenn es um die Abwägung zwischen dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und dem Aufrechterhalten der Wirtschaft geht. Während Nachbarländer strenge Lockdowns eingeführt haben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hat Tansania bislang auf solche Massnahmen verzichtet, um die Auswirkungen auf die ohnehin angespannte Wirtschaft möglichst gering zu halten.



Auch wenn sich der Ausbruch bislang vor allem auf die grösseren Städte zu konzentrieren scheint, sind unsere Mitarbeitenden und Flechterinnen in Ngara, im abgelegenen Nordwesten Tansanias, besorgt und spüren die Auswirkungen der Pandemie bereits deutlich. Durch den Zusammenbruch des Handels sind die Preise für bestimmte Güter wie Zucker gestiegen. Kleine Unternehmen leiden, da viele Kundinnen und Kunden zu Hause bleiben, und der Tourismussektor – ein zentraler Pfeiler der tansanischen Wirtschaft – ist aufgrund des Einbruchs des internationalen Reiseverkehrs nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.


Eine grosse Sorge ist, dass sich Schutzmassnahmen zur Eindämmung des Virus in einem von Armut geprägten Kontext wie Tansania nur schwer umsetzen lassen. Viele Menschen leben auf engem Raum, oft in schlecht belüfteten Unterkünften. Häufig fehlen grundlegende Einrichtungen wie fliessendes Wasser oder Strom. Seife ist zwar ein alltägliches Haushaltsgut, kann jedoch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten selbst zu einem Luxus werden. Zudem sind öffentliche Verkehrsmittel, Märkte und andere öffentliche Orte meist stark überfüllt. Zu Hause zu bleiben und Lebensmittelvorräte anzulegen ist für Menschen, die von Tag zu Tag leben, keine Option. All diese Faktoren machen soziale Distanzierung und grundlegende Hygienemassnahmen wie regelmässiges Händewaschen erheblich schwieriger.


Hinzu kommt, dass Tansania weit davon entfernt ist, über ein funktionierendes Gesundheitssystem zu verfügen. Selbst in einem normalen Jahr ohne Coronavirus arbeiten Krankenhäuser und lokale Gesundheitszentren permanent an ihrer Belastungsgrenze, mit einem Mangel an medizinischem Personal, Infrastruktur und Ausrüstung.



Erschwerend kommt hinzu, dass viele Menschen an Vorerkrankungen leiden, darunter Mangelernährung, HIV, Tuberkulose, Malaria oder Dengue-Fieber – alles Faktoren, die das Risiko schwerer Krankheitsverläufe bei einer Infektion mit dem Virus erhöhen.


Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist die sehr junge Bevölkerungsstruktur Tansanias, da COVID-19 insbesondere für ältere Menschen besonders gefährlich ist. Sowohl aus den Strassen von Dar es Salaam als auch aus Ngara hören wir viele Geschichten von Menschen, die ihr Möglichstes tun, um sich zu schützen. Viele nähen ihre eigenen Masken, um sie beim Verlassen des Hauses zu tragen. Die sonst überfüllten „Daladalas“ (öffentliche Minibusse) werden von Tag zu Tag leerer. Kleine Läden am Strassenrand haben Handwaschstationen für ihre Kundschaft eingerichtet, und grössere Supermärkte messen sogar die Körpertemperatur aller Personen, die ihre Geschäfte betreten.

Auch wenn empfohlene Schutzmassnahmen in einem Kontext wie Tansania schwerer umzusetzen sind, zeigt sich deutlich, dass die Bevölkerung die Situation sehr ernst nimmt und alles daransetzt, sich selbst und andere zu schützen.

 
 
 

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